Belfast – zwischen Vergangenheit und Zukunft

Mit Belfast verbinden die meisten Menschen den Nordirland-Konflikt. Keine typische Hauptstadt für einen Städtetrip. Auf meiner Reise durch Irland habe ich hier trotzdem zwei Tage verbracht und unzählige Fotos gemacht – hier also ein kleiner Bericht darüber.

Ein paar Fakten zu Belfast:

Belfast ist die Hauptstadt von Nordirland und gehört somit zu Großbritannien. Mit fast 300 Tausend Einwohner ist es auch größte Stadt Nordirlands. Bis zum Karfreitags-Abkommen herrschten Bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen irischen Katholiken und britischen Protestanten.

Unser Hostel hatten wir im Uni-Viertel. Dort ist sehr belebt, es gibt viel kleine Pub´s, Restaurants und Supermärkte die bis 23 Uhr geöffnet haben. Von dort aus starten wir unseren ersten „Stadtspaziergang“ in Richtung Hafen. Das Stadtbild ist sehr industriell geprägt. Viele Werkshallen und Fabriken, dazwischen kleine, rot geklinkerte Wohnhäuser. Nicht unbedingt schön, aber durchaus charmant.

Die Gebäude am Hafen sind sehr modern. Viele neue Bürokomplexe, die mich ein bisschen an Hamburgs Hafencity erinnerten. Hier steht auch das Titanic House welches eine der neuen Sehenswürdigkeiten der Stadt ist.

Von hier aus schlenderten wir etwas hungrig in die Altstadt. Die Entfernungen sind nicht sehr weit, wir konnten Belfast also gut zu Fuß erkunden. Leider hatten wir nicht so sehr auf die Zeit geachtet, es war nach Ladenschluss und das Zentrum glich einer Geisterstadt. Auch Restaurants waren nicht mehr geöffnet. Die Altstadt hat viele schöne alte Gebäude – die City Hall ist in meinen Augen das Schönste.

Nach langem suchen fanden wir dann zum Glück unserer Abendessen 🙂

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur „Friedenslinie“ – einer wirklich hohen Mauer die auf mich wenig friedlich wirkte. Über eine durch Stacheldrahtzaun gesicherte Brücke gingen wir durch ein katholisches Viertel. Dort gab es viele Wandmalereien und Graffiti die sich inhaltlich fast ausschließlich mit dem Nordirland-Konflikt befassten. Viele Waffen, Flaggen und gemalte Geschichten aus Zeiten des Bürgerkrieges.  Sie spiegeln eine tiefe Unzufriedenheit und Traurigkeit der irischen Bevölkerung  wieder. Vor einem Pub trafen wir ein paar ältere Herren, die Mittags schon das eine oder andere Guinness getrunken hatten. Wir unterhielten uns nett, aber die Hoffnungslosigkeit und Resignation die man den Männern ansah stimmte mich traurig.

Die Friedenslinie die das katholische und protestantische Wohngebiet trennt wirkt bedrohlich. Durch große Tore, die nachts geschlossen werden betraten wir eine fast unbefahrbare Straße im Niemandsland.  Fast unvorstellbar ist es für mich hinter einer so hohen Mauer zu Leben, für die Menschen hier ist es Realität – mehr noch, ein Schutz vor Steinen, Flaschen und allem was man sonst noch so drüber werfen könnte.


Belfast ist eine spannende, interessante, aber auch traurige Stadt. Mit einem Fuß in der Zukunft und doch ist die Vergangenheit überall sichtbar und spürbar. Ich hoffe sehr das die tiefen Wunden irgendwann heilen werden und diese gigantische Mauer überflüssig wird.

Mit viel Zwiespalt fuhren wir am späten Nachmittag weiter nach Derry.

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